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Das Zigarrenmacher Museum
Die Zigarrenindustrie dominierte
die Gemeinde Valkenswaard länger als ein Jahrhundert.
Die ersten Zigarren wurden 1865 im Hinterhof von Jan van
Best am Marktplatz von Valkenswaard produziert, einem
der reichsten Männer von Valkenswaard. Er startete die
Firma für Seine drei Söhne, daher der Name Gebrüder van
Best. Das Motiv für die Firmengründung ist unbekannt, es
wird jedoch von seinen Enkeln angenommen, dass die
Entwicklungen
in Eindhoven als Vorbild
gedient hatten. Soweit bekannt war Valkenswaard sicher
nicht die erste Gemeinde in der Zigarren gefertigt
wurden. Geschichtlich belegt wurden zum ersten Mal 1826
in Kampen und später 1840 in ’s Hertogenbosch Zigarren
produziert. In Eindhoven, das schon einen Namen im
Tabakhandel hatte, begann P.Hoefnagels 1845 mit einer
Zigarrenproduktion.
Die
Brüder van Best begannen mir drei Mitarbeitern, einem
Zigarrenmacher, der in Antwerpen sein Fach gelernt hatte
und zwei Lehrlingen. Lange Zeit war van Best der einzige
Betrieb, erst 1870 kam mehr Initiative durch einige
Kleinbetriebe auf. Van Best blühte auf mit 130
Arbeitnehmern und gehörte in den 90er Jahren zu den
größten 100 Betrieben der Niederlande.
Erst
1882 starteten Konkurrenten aus Luijksgestel, Pieter
Hoekx mit seinem Schwager Johannes Maas die Fabrik Hoekx-Maas
auf Ihrem Valkenswaarder Grundstück und wurden rund 1920
die größte Zigarrenproduktion Valkenswaards. In Ihrem
Kielsog starteten viele Kleinbetriebe.
Alles zusammen zählte Valkenswaard 1890 15 Betriebe,
1920 schon 42 mit etwa 1100 Werknehmers. In der ersten
Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war die Hälfte der
männlichen Berufsbevölkerung in der lokalen
Zigarrenindustrie tätig. Damals eine nach innen
gerichtete, geschlossene Gemeinschaft, da in dieser Zeit
niemand außerhalb der Gemeinde sein Brot verdiente, erst
mit dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition
durchbrochen.
Um 1920 kamen die ersten größeren Veränderungen für die
Zigarrenindustrie mit der Einfuhr der Tabaksteuer und
den ersten Tarifverträge. Diese führten zu
Kostenerhöhungen für die Branche und stimulierten
Mechanisierung und Produktionserhöhungen. In den
Zwanziger und Dreißiger-Jahren waren zwei Fabriken
dominant in Valkenswaard: Hofnar und Willem II, der
Familien Wolters und Kersten. Vor dem zweiten Weltkrieg
besaß Valkenswaard noch 26 Fabriken, die 3700
Valkenswaardern Werk boten, 3000 allein bei Hofnar und
Willem II.
Während des zweiten Weltkriegs kam
die Produktion beinahe zum Stillstand, und nach dem
Krieg reichte es auf Grund der Rohstoffverknappung nur
einigen zum Neuanfang. Eine nach der anderen Fabrik
musste die Türen schließen, so auch die Firma van Best
in 1956. In den fünfziger Jahren führte die
Mechanisierung zu einem zusätzlichen Kahlschlag in der
Zigarrenindustrie, den
Willem II und Hofnar
überlebten, die nun folglich die Zigarrenindustrie
Valkenswaards dominierten. Auch Ihre Zukunft kam 1970 in
Gefahr durch den Wegfall der Preisabsprachen, die
Explosion der Lohnkosten, Veränderungen der
Verbrauchergewohnheiten und schließlich durch die
Aktivitäten der Rauchergegner-Lobby. Die Hofnar-Werke
mussten 1990 Konkurs anmelden, Willem II wurde
schließlich von Swedish Match übernommen. Während deren
Konzernleitung in Valkenswaard verblieb wurde die letzte
Valkenswaardsche Zigarre 2003 gefertigt.
Dank der Zigarrenindustrie stieg die Bevölkerung in
Valkenswaard sprunghaft. So war die Bevölkerungszunahme
zwischen 1880 und 1920 400% und war somit in der Provinz
Nord-Brabant die am schnellsten wachsende Gemeinde. Die
zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze lockten viele
junge Menschen in die Gemeinde, mit vielen jungen Ehen
und großer Zunahme der Geburten zur Folge.
Lange Zeit war der Zigarrenmacher ein Beruf für junge
Leute mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren,
während ein Bauer rund um 1900 47 Jahre alt war. Das
Einkommen hingegen bis zum ersten Weltkrieg war mager
und 75% der Arbeiter verdienten zu wenig um über die
Armutsgrenze zu kommen. Mit der Zeit wurde ein
bescheidener Wohlstand für alle erreicht, wie es in
einer statistischen Erhebung in den Fünfziger Jahren
heißt. Die Eigentümer der großen Fabriken buchten große
Gewinne, wie sie auch recht magere Jahre durchstehen
mussten. Die Gebr. van Best zum Beispiel machten in den
Jahren 1930-1940 nur Schulden.
Leider
sind in Valkenswaard nur noch wenige auffällige Gebäude
der Zigarrenindustrie zu sehen. Natürlich sind Plätze,
Strassen und Gebäude nach den großen Fabriken benannt,
aber die ursprünglichen Gebäude sind Neubauten gewichen.
Der so typische Tabaksgeruch rundum die Bakkerstraat ist
nicht mehr wahrzunehmen. Neulich wurde das Gebäude der
Botycos am Waalreseweg abgebrochen und so bleibt nog ein
letztes Fabriksgebäude in Valkenswaard übrig, das es
gilt vor dem Abriss zu beschützen .
Zum
Glück besteht eine große Sammlung handwerklicher
Gerätschaften, Maschinen, aber auch Dokumenten, Fotos,
Verpackungen, Werbematerialien und ein original
Zigarrenkiosk, die übrig geblieben sind. Die Geschichte
der, für Valkenswaard so wichtigen einstigen Industrie,
ist im “Zigarrenmacher Museum” anschaulich zu
besichtigen.
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